Hyong Nr. 11
Po-Eun 포은 · 圃隱
„Der verborgene Garten"
- Gürtelgrad
- 1. Kup (Rot-Schwarzgurt)
- Prüfung zum
- 1. Dan
- Bewegungen
- 36
Herkunft und Bedeutung
Po-Eun ist Jeong Mong-Ju (1337–1392) gewidmet – seinem Schriftstellernamen. Er war koreanischer Politiker der Goryeo-Dynastie, Diplomat, neokonfuzianischer Philosoph und Dichter. Anders als bei vielen anderen Chang-Hon-Formen bezog sich General Choi bei den 36 Bewegungen nicht auf ein historisches Datum oder Alter – stattdessen trägt das Laufdiagramm die tiefere Bedeutung: Es bildet eine waagerechte Linie (一) und steht für Jeong Mong-Jus unbeirrbaren Charakter, der weder politischem Druck noch persönlichen Vorteilen wich, sondern seinem König bis zum Tod treu blieb.
General Choi wählte für seine Formen stets Persönlichkeiten, die bestimmte Tugenden verkörpern sollten: Während Gae-Baek für militärische Disziplin und Yoo-Sin für strategische Führung steht, verkörpert Po-Eun eine innere Tugend – die unbedingte Treue zu den eigenen Überzeugungen. Deshalb gilt Po-Eun bis heute als eine der philosophisch tiefgründigsten Formen des Chang-Hon-Systems.
Der Diplomat Jeong Mong-Ju
Jeong Mong-Ju studierte und lehrte konfuzianische Schriften und wurde durch seine hervorragenden Übersetzungen der Werke des Konfuzius zu einem bedeutenden Vertreter des Neokonfuzianismus im ausgehenden Goryeo- und beginnenden Joseon-Reich. Nach seinem Staatsdienst-Examen 1362 diente er zunächst König Gongmin. Als Diplomat konsultierte er sechsmal den Hof der Ming-Dynastie in China und trug so dazu bei, Spannungen zwischen Ming und der Yuan-Dynastie zu entschärfen. 1377 erreichte er als Gesandter am japanischen Hof ein Bündnis gegen die Wokou-Piraten sowie die Freilassung Hunderter koreanischer Gefangener.
Das Ende einer Dynastie
Das Ende der Goryeo-Dynastie wurde durch eine Spaltung des königlichen Hofes ausgelöst: General Choi Yeong suchte die Konfrontation mit dem Ming-Reich und vertrat damit die Interessen der Goryeo-Dynastie, der auch Jeong Mong-Ju verpflichtet war. General Yi dagegen suchte eine diplomatische Lösung mit China – mit dem eigentlichen Ziel, den Thron an sich zu reißen und eine neue Dynastie zu gründen, was ihm schließlich auch gelang.
Jeong Mong-Ju weigerte sich beharrlich, in den Dienst der neuen Joseon-Dynastie zu treten. Bei einem Bankett zu seinen Ehren versuchte der Gastgeber Yi Bang-Won ihn ein letztes Mal umzustimmen und rezitierte dazu ein Gedicht. Jeong Mong-Ju antwortete mit seinem eigenen Gedicht „Dansimga” (standhaftes Herz), das seine Loyalität endgültig bekräftigte:
„Mein Körper mag hundert Tode sterben. Und meine weißen Knochen zu Staub und meine Seele zu Nichts werden. Doch das standhafte Herz, das für die Meinen ich hege, wird niemals sterben.”
Loyalität bis in den Tod
Mit dieser letzten Weigerung besiegelte er sein eigenes Schicksal. Auf dem Heimweg wurden Jeong und sein Kutscher von fünf Attentätern auf der Sonjukkyo-Brücke in Gaeseong mit einem Eisenhammer getötet. Sein Tod markiert symbolisch das Ende der 474 Jahre alten Goryeo-Dynastie, die kurz darauf von der 505 Jahre währenden Joseon-Dynastie abgelöst wurde – deren erster König, Taejong, eben jener Yi Bang-Won war.
Die Sonjukkyo-Brücke aus dem Jahr 1216 gilt bis heute als Monument für Loyalität und Königstreue; die roten Flecken auf manchen ihrer Steine sollen der Legende nach von seinem Blut stammen. In der Nähe wurden mehrere weitere Denkmäler zu seinen Ehren errichtet, darunter eines für seinen mitgetöteten Kutscher.
Bewegungsablauf
Ausgangsstellung: geschlossene Achtungsstellung (Moa Sogi) → Vorbereitungsstellung mit der „Himmelshand” (Hanulson Narani Junbi Sogi).
| # | Bewegung | Stellung | Technik |
|---|---|---|---|
| 1 | Mittelhoher Schutzblock mit beiden Unterarmen | Hugul, rechtsgerichtet | Hugul Chungdan Palmok Taebi Makki |
| 2 | Aufwärts geführter Fauststoß links | Oebal (Einbeinstand) | Oebal Ollyo Chirugi |
| 3 | Seitlicher Tritt mittlerer Höhe rechts | – | Chungdan You Chagi |
| 4 | Mittelhoher seitlicher Handkantenschlag rechts | Kima | Kima Chungdan Sudo Yop Taerigi |
| 5 | Winkelförmiger Fauststoß links | Kima | Kima Kiokja Chirugi |
| 6 | Kombinationsblock: Speiche mittig rechts + Elle unten links | Kima | Kima Hadan Makki / Chungdan Makki |
| 7 | Kombinationsblock: Speiche mittig links + Elle unten rechts | Kima | Kima Hadan Makki / Chungdan Makki |
| 8 | Mittelhoher keilförmiger Speichenblock | Kima | Kima Chungdan Anpalmok Hechyo Makki |
| 9 | Rückwärtiger Ellbogenstich rechts | Kima | Kima Twit-Palkup Tulki |
| 10 | Mittelhoher Fauststoß rechts | Kima | Kima Chungdan Chirugi |
| 11 | Rückwärtiger Ellbogenstich links | Kima | Kima Twit-Palkup Tulki |
| 12 | Horizontaler Fauststoß nach rechts | Kima | Kima Supyong Chirugi |
| 13 | Tiefer frontaler Unterarmblock rechts | Kyocha (Kreuzstellung) | Kyocha Hadan Palmok Ap Makki |
| 14 | U-förmiges Greifen | Hugul, linksgerichtet | Hugul Mongdungi Chapki |
| 15 | Seitlicher Ellbogenstich mit beiden Armen | Moa | Moa Ssang Palkup Yop Tulki |
| 16 | Hoher seitlicher Ellenblock + tiefer Ellenblock | Kima | Kima Sangdan Yop Pakkat Palmok Makki / Hadan Makki |
| 17 | Tiefer frontaler Unterarmblock links | Kyocha | Kyocha Hadan Palmok Ap Makki |
| 18 | Tiefer Schutzblock mit beiden Handinnenkanten nach links | Kima | Kima Hadan Yoksudo Taebi Makki |
| 19 | Mittelhoher Schutzblock mit beiden Unterarmen | Hugul, linksgerichtet | Hugul Chungdan Palmok Taebi Makki |
| 20 | Aufwärts geführter Fauststoß rechts | Oebal | Oebal Ollyo Chirugi |
| 21 | Seitlicher Tritt mittlerer Höhe links | – | Chungdan You Chagi |
| 22 | Mittelhoher seitlicher Handkantenschlag links | Kima | Kima Chungdan Sudo Yop Taerigi |
| 23 | Winkelförmiger Fauststoß rechts | Kima | Kima Kiokja Chirugi |
| 24 | Kombinationsblock: Speiche mittig links + Elle unten rechts | Kima | Kima Hadan Makki / Chungdan Makki |
| 25 | Kombinationsblock: Speiche mittig rechts + Elle unten links | Kima | Kima Hadan Makki / Chungdan Makki |
| 26 | Mittelhoher keilförmiger Speichenblock | Kima | Kima Chungdan Anpalmok Hechyo Makki |
| 27 | Rückwärtiger Ellbogenstich links | Kima | Kima Twit-Palkup Tulki |
| 28 | Mittelhoher Fauststoß links | Kima | Kima Chungdan Chirugi |
| 29 | Rückwärtiger Ellbogenstich rechts | Kima | Kima Twit-Palkup Tulki |
| 30 | Horizontaler Fauststoß nach links | Kima | Kima Supyong Chirugi |
| 31 | Tiefer frontaler Unterarmblock links | Kyocha | Kyocha Hadan Palmok Ap Makki |
| 32 | U-förmiges Greifen | Hugul, rechtsgerichtet | Hugul Mongdungi Chapki |
| 33 | Seitlicher Ellbogenstich mit beiden Armen | Moa | Moa Ssang Palkup Yop Tulki |
| 34 | Hoher seitlicher Ellenblock + tiefer Ellenblock | Kima | Kima Sangdan Yop Pakkat Palmok Makki / Hadan Makki |
| 35 | Tiefer frontaler Unterarmblock rechts | Kyocha | Kyocha Hadan Palmok Ap Makki |
| 36 | Tiefer Schutzblock mit beiden Handinnenkanten nach rechts | Kima | Kima Hadan Yoksudo Taebi Makki |
Rückkehr in die Vorbereitungsstellung mit der Himmelshand, danach zurück in die Achtungsstellung.
Besonderheit: die zwei Varianten des tiefen Unterarmblocks (Bewegungen 13/31 und 17/35)
Bei 13 und 31 wird die Gegenzughand an die Innenseite des blockenden Unterarms geführt – dies symbolisiert laut Chois „Encyclopedia of Taekwon-Do” das Blocken eines Angriffsbeins von innen, mit der Option, das Bein mit der anderen Hand einzufangen. Bei 17 und 35 schlägt der Block dagegen mit der Faustaußenseite in den Handballen der Gegenzughand – hier wird das Bein von außen weggeschlagen, ein Einfangen ist kaum möglich.
Neu in dieser Form: aufwärts geführter Fauststoß in der Einbeinstellung · winkelförmiger Fauststoß · Kombinationsblock Speiche/Elle · keilförmiger Speichenblock · rückwärtiger Ellbogenstich · horizontaler Fauststoß · tiefer Frontblock in der Kreuzstellung · U-förmiges Greifen.
Häufige Fragen
Häufig gestellte Fragen: Po-Eun
Wie viele Bewegungen hat Po-Eun?
36 Bewegungen.
Wer war Jeong Mong-Ju, genannt Po-Eun?
Ein koreanischer Gelehrter, Diplomat und Dichter (1337–1392) der späten Goryeo-Dynastie, bekannt für seine unbeirrbare Loyalität zu seinem König.
Was bedeutet das Laufdiagramm der Form?
Eine einfache waagerechte Linie – Sinnbild für Jeong Mong-Jus geradlinigen, unbeirrbaren Charakter.
Wie starb Jeong Mong-Ju?
Er wurde 1392 auf der Sonjukkyo-Brücke ermordet, nachdem er sich beharrlich weigerte, seine Loyalität zur alten Dynastie aufzugeben.
Was ist das Gedicht „Dansimga"?
Jeong Mong-Jus berühmtes Todesgedicht, mit dem er kurz vor seiner Ermordung seine unerschütterliche Treue zu seinem König bekräftigte.