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08. Januar 2016 · Quelle: Bayernwelle Südost

Bayernwelle Südost: Selbstverteidigung nach den Kölner Silvester-Übergriffen – Interview mit Thomas Könnecke

Das Wichtigste in Kürze

  • Bayernwelle Südost berichtete am 8. Januar 2016, wenige Tage nach den Silvester-Übergriffen in Köln, über wirksame Selbstverteidigung für Frauen.
  • Reporterin Carola Mayer befragte Thomas Könnecke (Taekwon-Do Schulen Könnecke) und Thomas Safnauer (Training Center Street Defense Traunstein/Rosenheim).
  • Könnecke rät, Angriffe schon durch bestimmtes Auftreten und den Einsatz der eigenen Stimme im Vorfeld zu verhindern.
  • Safnauer empfiehlt bei unausweichlicher Konfrontation, gezielt Schwachstellen wie Gesicht, Augen, Nase, Ohren und Genitalbereich mit voller Intensität anzugreifen.
  • Bericht von Bayernwelle Südost vom 8. Januar 2016.

Am 8. Januar 2016 – wenige Tage nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht, von denen auch aus Salzburg Einzelfälle gemeldet wurden – ging Bayernwelle Südost der Frage nach, wie sich Frauen in der Region wirksam schützen können. Reporterin Carola Mayer befragte dazu zwei Selbstverteidigungsexperten aus dem Chiemgau: Thomas Könnecke, Leiter der Taekwon-Do Schulen Könnecke, und Thomas Safnauer vom Training Center Street Defense in Traunstein und Rosenheim.

Bayernwelle Südost, 8. Januar 2016: Selbstverteidigung nach den Kölner Silvester-Übergriffen – Interview mit Thomas Könnecke

Die Stimme als erste Verteidigungslinie

Noch bevor es überhaupt zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, lässt sich laut Könnecke oft schon viel bewirken: Ein bestimmtes Auftreten und der gezielte Einsatz der eigenen Stimme können einen Angriff im Ansatz ersticken. Ein Angreifer verfolge in der Regel einen vorgefassten Plan – wird dieser etwa durch ein Gespräch durchkreuzt, muss er seine Absicht erst neu überdenken. Angreifer suchten sich grundsätzlich Opfer, keine Gegner: Menschen, die schwächer wirken als sie selbst. Ein selbstbewusstes, starkes Auftreten wirkt dem entgegen.

Wenn Weglaufen keine Option mehr ist

Lässt sich eine Konfrontation nicht mehr vermeiden, empfiehlt Thomas Safnauer, gezielt die Schwachstellen des Angreifers anzugreifen: Gesicht, Augen, Nase, Ohren und Genitalbereich. Entscheidend sei dabei, wirklich mit voller Intensität zu handeln – wer sich ernsthaft wehren will, muss notfalls bereit sein, dem Angreifer spürbar wehzutun. Bei einem bewaffneten Angreifer, der lediglich Geld fordert, raten beide Experten dagegen, keinen Widerstand zu leisten und die Forderung zu erfüllen. Geht es hingegen um Leib und Leben, gilt: sich mit allem verteidigen, was zur Verfügung steht.

Warum ein einzelner Kurs nicht reicht

Nach den Vorfällen in Köln erlebten Selbstverteidigungskurse einen spürbaren Zulauf – doch Könnecke warnt vor falscher Sicherheit durch einen einzelnen, zeitlich begrenzten Kurs: Vier oder fünf Übungsstunden verschafften bestenfalls einen groben Überblick. Wer sich wirklich ernsthaft verteidigen können möchte, sollte das über Jahre hinweg trainieren. Als Grundregel gilt für beide Experten: Wenn Flucht möglich ist, fliehen. Wenn nicht, zunächst deeskalierend auf den Angreifer einwirken. Erst wenn auch das nicht hilft, mit aller Kraft wehren und die erstbeste Gelegenheit zur Flucht nutzen. Sich gar nicht zu wehren, sei in jedem Fall die schlechteste aller Optionen.

Bayernwelle Südost, 8. Januar 2016: Beitrag von Carola Mayer mit Thomas Könnecke (Taekwon-Do Schulen Könnecke) und Thomas Safnauer (Training Center Street Defense) zur Selbstverteidigung nach den Kölner Silvester-Übergriffen.

Vollständiges Transkript des Beitrags

Und ich hätte ja nicht gedacht, dass sowas mitten in Deutschland möglich ist, aber es war offenbar möglich. Massenhaft sexuelle Attacken auf Frauen hat es in der Silvesternacht nicht nur in Köln gegeben. Auch in anderen Städten sind Frauen eingekesselt, begrapscht und bestohlen worden. Auch in Salzburg zum Beispiel. Jetzt stellen sich viele Menschen in der Region natürlich die Frage: Könnte mir sowas auch passieren? Und noch viel wichtiger: Wie kann ich mich dann wehren? Wir haben uns mal mit zwei Selbstverteidigungsexperten getroffen: Thomas Safnauer vom Training Center Street Defense und Thomas Könnecke von den Taekwon-Do Schulen Könnecke.

Ja, also: Wie wehre ich denn einen Angriff ab, oder wie verhindere ich ihn vielleicht sogar?

Wichtig ist, Stimme einzusetzen, also bestimmt zu sagen, was man möchte oder nicht. Und dadurch kann man einfach Angriffe eigentlich schon aus dem Weg gehen oder schon verhindern. Also einfach in ein Gespräch irgendwie verwickeln, einfach den Plan durchkreuzen. Ein Angreifer, der hat grundsätzlich einen Plan, der überlegt sich ja schon vorher, was will er eigentlich. Und wenn der Plan durchkreuzt wird, dann muss er erst einmal selber überlegen.

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Probetraining anfragen

Die beiden Experten raten Frauen: Nehmen Sie ruhig mal an einem Selbstverteidigungskurs teil, dann sind sie auch gleich viel selbstbewusster, da lernen sie, wie sie einen Angreifer ausschalten können. Übrigens, Pfefferspray würde natürlich auch sehr gut als Waffe helfen, darf aber tatsächlich als Waffe nur gegen Tiere eingesetzt werden, also zum Beispiel gegen einen Hundeangriff. Aber Sie dürfen Pfefferspray nicht gegen einen Menschen einsetzen. Die Bayernwelle, Ihr Sender für alle Infos für den Chiemgau, Rupertiwinkel und das Berchtesgadener Land.

Ja, also mal ganz ehrlich: Was da in der Silvesternacht in Köln und einigen anderen Großstädten passiert ist, das ist schon unfassbar. Männer beklauen, belästigen und betatschen Frauen im großen Stil, sogar Vergewaltigungen hat’s gegeben. Einzelne Übergriffe sind auch aus Salzburg gemeldet worden. Ich kann schon verstehen, wenn Frauen jetzt ein ungutes Gefühl haben, wenn sie abends allein auf der Straße unterwegs sind. Deswegen stehen Selbstverteidigungskurse gerade wieder ganz hoch im Kurs.

Thomas Könnecke ist Leiter der Taekwon-Do Schulen Könnecke, und er bietet natürlich Selbstverteidigungskurse speziell für Frauen an. Wie sie sich verhalten sollten, wenn sie nicht mehr weglaufen können, weiß Thomas Safnauer. Auch er bietet in seinem Training Center Street Defense in Traunstein und Rosenheim Selbstverteidigungskurse an.

Sind zum Beispiel Waffen im Spiel: Ist besser, wenn der Angreifer nur mein Geld möchte, dass man ihm das Geld gibt. Hat er keine Waffe, sollte man versuchen, alles einzusetzen, was man hat, damit es nicht zum Übergriff kommt. Generell gilt aber: Wenn es um Leben und Tod geht, wehren Sie sich mit allem, was sie haben.

Wir trainieren halt speziell, die Schwachstellen zu attackieren, also Gesicht, Augen, Nase, Ohren und Genitalbereich. Den Frauen wird beigebracht, gezielt zu treffen bzw. mit Alltagsgegenständen zu hantieren. Dann muss ich es aber wirklich mit voller Intensität machen. Man muss vielleicht wirklich jemandem wehtun.

Angreifer suchen sich in der Regel Opfer und keine Gegner, also Menschen, die schwächer sind als sie selbst. Wichtig ist daher ein selbstbewusstes und starkes Auftreten. Nach den Vorfällen in der Silvesternacht sind vor allem Selbstverteidigungskurse wieder sehr gefragt, so Thomas Könnecke.

Ein zeitlich begrenzter Kurs ist in meinen Augen eigentlich nicht zielführend. Von vier, fünf Mal, vielleicht eine Stunde üben, kann man wirklich nur einen Überblick bekommen. Also man sollte eigentlich, wenn man sich wirklich ernsthaft verteidigen will, das wirklich über Jahre üben.

Generell gilt: Wenn sie weglaufen können, tun sie das. Wenn nicht, versuchen sie deeskalierend auf den Angreifer einzuwirken. Wenn das auch nicht klappt, wehren sie sich mit aller Kraft und ergreifen sie so bald wie möglich die Flucht. Das Fazit unserer Experten ist klar: Sich nicht zu wehren, ist immer die schlechteste Option.

Für die Bayernwelle, Carola Mayer.

Selbstbewusstes Auftreten und wirksame Selbstverteidigung lassen sich trainieren – nicht in einem einzelnen Kurs, sondern nachhaltig im regelmäßigen Taekwon-Do-Training. Zwei kostenlose Probetrainings, einfach vorbeikommen.

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Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen: Bayernwelle Südost: Selbstverteidigung nach den Kölner Silvester-Übergriffen – Interview mit Thomas Könnecke

Wie kann ich einen Angriff schon im Vorfeld verhindern?

Entscheidend ist laut Thomas Könnecke von den Taekwon-Do Schulen Könnecke, die eigene Stimme einzusetzen und bestimmt zu sagen, was man möchte oder nicht möchte. Ein Angreifer hat meist einen konkreten Plan – wird dieser durch ein Gespräch oder klares Auftreten durchkreuzt, muss er seine Strategie erst neu überdenken. Wer das selbst üben möchte, kann ein Probetraining vereinbaren.

Was mache ich, wenn ich nicht mehr weglaufen kann?

Thomas Safnauer vom Training Center Street Defense rät, gezielt die Schwachstellen des Angreifers zu attackieren: Gesicht, Augen, Nase, Ohren und Genitalbereich. Wichtig sei dabei volle Intensität – wer sich wirklich verteidigen will, muss notfalls bereit sein, dem Angreifer wehzutun, so der Rat im Bayernwelle-Interview von 2016.

Reicht ein einzelner Selbstverteidigungskurs aus, um mich wirklich schützen zu können?

Nein, sagt Thomas Könnecke: Ein zeitlich begrenzter Kurs mit vier oder fünf Terminen verschafft bestenfalls einen groben Überblick. Wer sich ernsthaft verteidigen können möchte, sollte das über Jahre hinweg trainieren – etwa im regelmäßigen Taekwon-Do-Training der Taekwon-Do Schulen Könnecke im Chiemgau und in Salzburg.

Darf ich Pfefferspray gegen einen Angreifer einsetzen?

Nach deutschem Recht darf Pfefferspray als Waffe nur gegen Tiere eingesetzt werden, etwa bei einem Hundeangriff – nicht gegen Menschen. Als Reizstoff gegen Menschen ist der Einsatz laut dem Bayernwelle-Bericht vom 8. Januar 2016 nur im Rahmen der Notwehr zulässig.

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